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Samen
( Cristina Castello ARG – Semillas ) Parallelverschiebung : Raphael Martín Rudolf Ross
Festnahme. Man wird uns einsperren. Sie und ich.
Sie. Die tausende, schlanken Seelen
die mit mir schmuggeln:
Werte. Mögliche Utopien. Kunst.
Kunst. Verneinung der menschlichen Endlichkeit.
Ohne Maske leben ist eine Schönheitssehnsucht.
»Mein« bewährter Traum ist die Nachtwache »der« Träume.
Er ist Durst auf offene Hände.
Mein Durst, der so groß ist, daß ich an ihm ertrinke.
Ich möchte, daß jeder Fenster eine Geige, ein Klavier, eine Harfe beleuchtet.
Daß in alle Chausseen der Welt
Skulpturen von Giacometti sich am Anblick der Pietà ergötzen.
Ich möchte, daß in allen Regierungssitze
ein Christ von Velázquez die Greultaten abtreibt.
Dieser Durst. Heiliger Durst, der die Seele wieder ergrünt.
Dieses Leben, so außerordentlich, das die Sehnsucht es zu ergreifen vergrößert. Gänzlich.
Und der Stillstand, der mit verspätetem Schritt herkommt.
Ich möchte, daß Fra Angelico von El Prado entweicht
und daß seine Ankündigung durch die Welt in Licht geht.
Ich möchte, daß Redon und Mantegna, Ucello, Morandi, Leonardo und Monet
Spuren werden. Und daß sie die Henker aufheben damit Niemals Mehr.
Ich möchte, daß wir es endlich begreifen,
daß in der Liebe die absolute Hingabe Gewissheit der Freiheit ist.
Daß and jedem Morgen an Stelle von Nachrichten über Seelen ohne Engel,
Bach, Poulenc, Mahler, Di Lasso, Debussy, Schubert und Chopin,
über ein Río de la Plata der sich in Meer verwandelt, ausbrechen.
Blaues Meer der Liebe, daß in der Nacht Kissen
mit Madrigalen, Adaggios und Mondhellen einwiegt.
Ich möchte und ich säe. Ich möchte.
Daß wir Güte mit Güte lehren.
Daß der Himmel immer mit Sternen sommersproßig bleibt.
Ich möchte Erwachsene mit jungfräuliches Lachen, und Engel die sich in Kindern abbilden.
Daß die Unbarmherzigen Blake einatmen.
Daß Rilke das Eindeutige beschwört.
Daß die Alten würdig leben.
Daß das Land, der Kontinent, die Welt, das Weltall
für alle gleich sei.
Ich möchte. Daß Eluard, Desnos und Rimbaud, Quasimodo und Yeats,
Lorca, Kavafis und Celan über alle Seelen nach den Dichtungen tanzen.
Und daß dann das Lied der Freude von Schiller,
und die Ode an der Freiheit der Neunten Beethoven's
die Hymnen aller Gerechten der Erde sei.
Um mit heiligem Durst zu leben.
Um mit dem Morgenlicht aufstehen.
Um Kunst und Liebe zu säen.
Um nicht mehr sehen.
Masken.
Nur Licht, nur Wahrheit.
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