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KRIEGER DES LICHTS
( Marco Milani ITA - GUERRIERO DI LUCE - trad. Petra Ohl )
Gut. Ich bin bereit.
Nein. Ich bin es nicht, aber ich muß es sein. Meine Zukunft ist, von diesem Augenblick an, als Krieger des Lichts zu existieren. Ich habe die Verpflichtung, mich als ein solcher zu verhalten. Also…
Es ist die Leere.
Tiefer Raum, unendliche Schöpfung, ein Firmament, übersät von Sternen. Myriaden von Lichtern, unscharf durch die unermeßlichen Entfernungen.
Starre.
Wirbel.
Eine Spirale von einzigartiger und konzentrischer Krümmung taucht vor mir auf und darunter ist so etwas wie ein Tunnel, dem man folgen kann, und der in ein rabenschwarzes Schwarz mündet, frei von Sternen. Est ist eine Einladung, ein Ruf, dem ich mich nicht widersetzen kann.
Ich fliege.
Ich gleite… unkörperliche siderische Einheit, abstruse Existenz eines denkenden Wesend, und in meiner Nicht-Form durchquere ich den Wirbel, in einer Aufeinanderfolge homogener, wachsender Strudel zu meiner Linken. Es bedeutet, aufgenommen zu sein.
Ein Stern taucht auf, kommt mir entgegen. Er nimmt mir das Bewußtsein, und er durchquert mich, spöttische einzige Lichtquelle, bevor ich mich auf diesen unvorhergesehenen Zusammenstoß einstellen kann. Ich war nicht vorbereitet.
Ich habe nichts weiter wahrgenommen, als zu unterscheiden und passiv zu akzeptieren.
Unerfahrenheit. Ich bin ein Krieger des Lichts, das darf ich nie vergessen. Es ist grundlegend wichtig.
Explosion von blendendem Weiß. Ausweitung von absolutem Weiß. Auferlegung von Weiß überall.
Nicht zu entziffernde, gebläute Züge von Formen, fantastische und lebende Einheiten...
Andere Welten. Unterschiedliche Dimensionen. Das gleicht Universum... etwas mehr.
In meiner Zukunft sind dort, von der Höhe übergeordneten Wissens, verschiedene Stufen über meiner Seele, die von nichtigem und irdischer Wesensart ist.
Ich durchdringe das nun verminderte Leuchten, wie man einen Schild aus vollen Wolken spaltet und dann schaue ich mich um, warte ab mit Erinnerungen von festem Rauch, während ich neugierig die Bizarrheiten der dünnen Locken beobachte, die der Aufprall verursacht hat, und verharre... bis sie nicht ihre Existenz aufgeben und sich wieder verdichten zu einem weißen Kreis, perfekt, der sich schon meinem Blickfeld bevorstehender Körperlichkeit entzieht. Symptome von Ferne.
Es ist verschwunden... und ist von neuem Universum. Fern... so fern, daß es flach erscheint.
Ich schweb… gleite, indem ich mich mit wahnsinniger Langsamkeit um mich selbst drehe oder das, was da von mir ist, und jetzt ziehen mich von dem relativen Oben dessen, was mir fälschlicherweise als zweidimensional erscheint, Linien, bewegt von einem nicht vorhandenen kosmischen Wind, an.
Ich gehe. Nein! Ich fließe damit zusammen. Das ist wahrscheinlicher, aber... es ist schon vorbei.
Wie aus dem Gedächtnis sehe ich in einem Bild das riesige Maul eines Wolfes mit weit aufgerissenem Schlund, der mich seitlich streift und gerade Blendstreifen hinterläßt, wie lange Kratzer eines wilden, grausamen Tieres, in der melancholischen und dunklen Farbe des Gesamtraumes.
Die Linien erinnern mich jetzt an herausragende Papierzungen, und sind noch dort, beweglich und von zerbrechlichem Aussehen, nah aber unerreichbar. Sie haben keine Eile.
Sie scheinen zu sagen, daß sie auf mich warten und ich will sie berühren... aber ich bin noch nicht auf der Höhe und verpasse sie. Und während ich mich entferne, ähnlich einem unkontrollierten Flieger, scheint es, daß sie mich grüßen. Und ich erwidere, ich glaube auch zu lächeln. Ja... ich habe gelächelt.
Ich drehe und verdrehe mich, um fortzufahren auf meinem Weg nach irgendwo, wie ein Pilger ohne Ziel und ich würde gerne anhalten, um einen Gedanken zu realisieren, eine Hypothese zu formulieren, aber es gelingt mir nicht. Ich kann nicht, das ist nicht gerecht.
Krieger des Lichts heißt nicht Kohärenz und Konzept, sondern Zusammenhanglosigkeit und Instinkt, nicht Subjekt, sondern nur Vermittler. Ein Vehikel, das der höheren Existenz dient. Ich passe mich an, oder jedenfalls versuche ich es.
Das ganze Himmelsauge scheint wie ein enormes Schiff, mit Bambus umgeben. Und während ich sein Inneres von gekreuzten Mosaiken anschaue, bemerke ich auch das absolute Schwarz seiner Pupille.
Schwarz der Leere, schwarz des Nichts. Schwarz für mich.
Dorthin führt es mich gerade.
Dort bin ich schon.
Eine luft- und lichtleere Passage, exakt in den Maßen meiner Körperlosigkeit, und ich gehe weiter in die quadratische Höhlung und steige rotierend ab, umgeben von einer Abgrenzung, die einem Zaun ähnelt, aus vier braunen Leitern, mit Sprossen aus Bambus oder stilisierten, gesägten, weißen Oberschenkelknochen und...
…ich fahre fort und steige nun die mittlerweile ebenholzfarbene Leiter hinunter…
…es ist dort, es weicht aus…
…es bleibt nur eine letzte Stufe, die sich entfernt…
…geh ! und in jedem kleinsten Moment, und leuchtender, und kleiner, und leuchtender und mit einem mikroskopischen ‘puff’, wie eine Seifenblase implodiert und verschwindet. Und da ist wieder das Universum.
Universum von Sternen, Universum von wundervollen Augen.
Und während ich mich darin verliere, die unbegrenzte Gesamtheit zu beobachten, zu meiner Linken Wellen von nichts, aus dem fernen Grund , die auf mich zureiten wie eine unendliche, nicht wahrnehmbare Schlange.
Die Spur von Nichts fließt vor mir her und folgt ihrem Weg, aber ich bemerke, wie aus der entgegengesetzten Richtung etwas kommt.... nein! Jemand.
Jemand, der von meinem derzeitigen Unten bis zum entsprechenden Oben flitzt.
Wer?
Es war ein Augenblick, ein Wetterleuchten, ein Schein von Gewißheit und sofort danach vollständiges Unwissen.
Von dem entgegengesetzten Punkt ein anderes Etwas… nein! Ein anderer Jemand. Derselbe Jemand. Ich weiß es. Gewißheit… Nichtwissen…
Die anderen folgen einander, von jeder Seite kommen sie und zu jeder Seite gehen sie. Immer derselbe Jemand.
Und einer ist hier, aufgetaucht aus meinem derzeitigen Unten und hält vor mir an. Und in dem nicht vorhandenen Weltraumanzug bin ich. Ich lächle mir zu.
Ein Lächeln, das besagt, daß es /ich weiß, daß ich verwirrt bin und vor der Möglichkeit einer Antwort auf sein / mein Lächeln ist es / bin ich bereits gegangen, und mir bleibt vornan im Gedächtnis, daß ich gelernt habe, wie alle diese Jemands ausschließlich und im Vergleich ich sind; jeder das gleiche, dasselbe, gleichwertige, identische Ich... der Krieger des Lichts.
Das bin ich vor, vor und nochmals vor meinen Intra-Universums-Verlegungen.
Ich bin da, wie ich mich bestürzt in den Wirbel begebe.
Ich bin da, neugierig auf das Weiß zugehend.
Ich bin da, vor dem Wolken-Schild, verloren zwischen Myriaden neuer Eindrücke.
Ich bin da, wie ich schon vertrauensvoller eintauche in bevorstehende Erfahrungen im riesigen Auge.
Ich bin da, wie… Ich bin da… Ich bin da… Ich bin da… da und da… und ich weiß nicht, was mir zugedacht ist, aber es existiert keine Angst. Da...
Das da unten ist der Jemand / ich, der ich noch nicht gewesen bin, meine Zukunft, meine nächsten Reisen / Unternehmungen als Krieger des Lichtes. Und das soll heißen, daß es für mich eine Zukunft gibt. Und darüber bin ich ganz tief glücklich.
Da ist eine immense Hand, die vom Grund her kommt, sie erscheint, hervorgehoben von nahen Sternen wie Linien eines Leuchtstiftes.
Ich unterscheide sie, während sie mit einem Abdruck das Universum zeichnet, riesige Digital-Spuren, die sich bilden und trennen wie auf einer transparenten Film-Platte.
Es drehen sich nun Feuerwerke einer Sommernacht. Sie werden Galaxien, kosmische Spiralen in Rückwärts und Vorwärtsbewegung.
Ich sehe an meiner Seite/hinten/unten eine weitere Hand, viel größer. Sie prägt ebenfalls das Universum und fädelt es mit fünf Fingern ein, die sich verlängern und es verhaken und zerreißen, als wäre es ein dünnes, unbelebtes, schwaches Blatt Papier. Das Universum in Fetzen blättert ab und läßt hinter sich... das gleiche, dasselbe noch unversehrte Universum.
Etwas Anderes taucht im Hintergrund auf, etwas auf heilige Art Großartiges. Jemand…
Es ist ein Gedicht, mit denselben des Leuchtstiftes, wie die Hände. Mein Gesicht.
Hinzu kommt ein Körper und es ist, als stiege er herauf auf der unten befindlichen, inexistenten Leiter. Nun ist es ein Ganzes, ein vollständiges Ich/Jemand, der mich mit gefalteten Händen und mit einer Verbeugung grüßt, dem Gruß des Rei al ki, des Großen gegenüber dem Kleinen, von Lehrer zu Schüler.
Ich erwidere den Gruß, bewunderter und hoffnungsvoller ki, klein, Schüler, und ich weiß, daß meine Reise beendet ist. Meine erste Reise als Krieger des Lichts. Der Weg hat begonnen.
Ich kann die Augen öffnen…