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  Harald Gattermair

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Harald Gattermair

 


Der Vorhang der Zeit

(Gedanken zu einem Gedicht Otto Lenks)

Der Vorhang der Zeit ist faszinierend,
weil er so unprätentiös ist.
Die Transparenz
seiner mächtigen Quadern
läßt sie uns nicht gewahr werden.

So merken wir auch nicht,
dass nicht wir die Zeit verbringen,
sondern von ihr verbracht werden.

Wohin?


Largo

Näher als nah´
bist Du mir
und ich spüre Deinen Atem
in dem meinen.

Die Dämmerung
sinkt auf die Wiesen nieder
und ahnend öffnet sich
der Erde Schoß,
denn das Lebendige
vereint die Welten.
Die Blumen erschauern.

Liebend lausch´ ich
dem Sein
und in der Still
der Harmonie
erblüht das All
und die Zeit
verliert
das Zeitliche.


Matten

Wie schön ist es, auf Matten,
bequem im Waldesschatten,
halbschlafend noch zu liegen
und sich im Traum zu wiegen.

Da fliehen die Gedanken
aus den gewohnten Schranken,
sie schweben frei und wähnen,
zum Himmel sich zu dehnen.

Als ob die Zeit verträumte
und Ewigkeit aufkeimte,
die nicht mehr mißt
und nicht mehr fragt
und nichts mehr will
und alles sagt.


Panta Rhei

Zwischen Hoffen und Erinnern,
perlend, wie des Meeres Schaum,
gleiten wir in unserm Innern
durch des Lebens hellen Traum.


Dein Bild

Ich nehm´ Dein Bild als einen lieben Gruß
in jeden neuen Tag,
erlebe nun durch ihn den Kuss,
der Phantasie und Hoffnung zart beflügeln mag,
wie es nur jene können, die den Andern fremd geworden sind,
so fremd, als wollten sie die Ferne zögernd grüßen –
als wechsle ihr Erwachsensein zum Kind,
in jedem Augenblick bereit,
zu sinken in die Seligkeit
der schuldlosen Berührung –
gleich dem Wind.


Erinnerung

Wenn sich der Mond in Wolken hüllt
und seine Frage unerfüllt
im Nebeldunst verklingt,

dann schweigt die Welt. - Und nur von weit
tönt leis´ ein Klang, der dir die Zeit
des Gestern wiederbringt.


©Harald Gattermair
 

 

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