Marco Milani |
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fantastic
DIE WAHRE GESCHICHTE VON A.D.
LA VERA STORIA DI
A.D.
Trad. Petra Ohl
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Marco Milani |
Er fragte sich, warum er so
dumm hatte sein können in
jene verwerfliche Grotte
hineinzugehen, die von
Fledermäusen verseucht war
und außerdem so voll war von
Feuchtigkeit, die ihm bis
tief in die Knochen.
- Zur Hölle mit der Neugier
und den Mutproben. - Mit
einer einzigen Fackel, die
schon halb heruntergebrannt
war, vorzudringen in die
Mäander dieser Art von
natürlichem unterirdischem
Labyrinth unter dem Berg auf
der Suche einer legendären
Passage für die Unterwelt.
- Dummer, aufgeblasener
Halsbrecher - wiederholte er
sich immer wieder. Nur um
anzugeben bei diesen
versnobten Aristokraten, die
er noch nicht einmal als
seine Freund ansah... sie
hatten Geld, sicher, aber
nur das. Soviel Geld wie
Dummheit und es reichte
wenig, um in solchen Kreisen
gut dazustehen.
Es war eine ganze Reihe von
langweiligen Gedanken, die
seine, während er langsam in
jenen Gängen voranging auf
der Suche nach nichts
Bestimmtem, wenn nicht, um
zu zeigen, daß er das wagen
konnte, was die anderen sich
aus Angst nicht zu versuchen
trauten. Die Gedanken wurden
unterbrochen von etwas
Unvorhersehbarem... zuerst
das Erdbeben dann der
Zusammenbruch.
Die Situation, in der er
sich nun befand, und auch
noch aus eigener Initiative,
gefiel ihm überhaupt nicht.
Er hatte das Gefühl, in eine
Falle geraten zu sein im
Herzen des Berges durch
einen Erdsturz und das
erwies sich als tödlich für
die Stabilität seiner
Gefühle.
- Klaustrophobie ? Das war
etwas für junge Damen ! -
Wie oft hatte er das
wiederholt, um die anderen
zu beeindrucken und um sich
zu rühmen, wie stark er sei,
tollkühn und unerschrocken.
Der Knoten in der Kehle
wollte sich nicht auflösen,
während ein eisiger Schauer
entlang der Wirbelsäule ihn
immer daran erinnerte, daß
er außer Kälte eine gute
Dosis Angst verspürte.
Die Fackel hatte gerade
ihren letzten Schein
abgegeben, als er, erheblich
weniger unerschrocken als
üblich, in Kenntnis der
Gründe, sich nun
vergegenwärtigte, welche
Qual er spürte durch seine
belachten Klaustrophobien,
die durch seinen
Zwangseinschluss verursacht
wurden. Die Sehnsucht nach
Luft, Weite, Licht, Freiheit.
Eine ganz starke Sehnsucht,
absolut, sich diesem engen
Gefängnis, dem
abgeschlossenen Ort, zu
entziehen. So eine Sehnsucht.
daß sie einen verrückt
machte.
- Was macht nun ein
Verrückter in diesem Fall ?
- fragte er sich und
klammerte sich mit den
Fingern zwischen Hals und
Hemd und bemerkte, daß er
schweißgebadet war trotz der
niedrigen Temperatur. - Ein
Verrückter schreit in diesem
Fall … - und er zog mit
aller Macht nach unten, um
sich das Kleidungsstück
herunterzureißen - er
schreit und rennt ! -
In der fast vollständigen
Dunkelheit begann er aus
Leibeskräften zu rennen. Er
fiel hin, stand wieder auf.
Fiel hin und stand von Neuem
auf. Er erschien wie eine
verrückt gewordene Katze,
die in einer Abstellkammer
eingeschlossen ist. Er lief
weiter und stieß schließlich
mit dem Kopf gegen eine
rauhe unregelmäßige Wand. -
Hart wie Stein. - war sein
Gedanke einen Augenblick
später, während der Schmerz
an den Schläfen abnahm von
einer übertriebenen
Intensität zu einem
erträglichen Pulsieren.
- Vielleicht ist es angesagt,
nicht im Dunkeln zu rennen.
- stellte er fest. Er
ertastete seine noch
betäubte Stirn. Etwas Warmes
und leicht Viskoses floß
langsam herab.
- Oh mein Gott ! - stöhnte
er erstaunt - Das Erdbeben !
Schon wieder ! - Er zitterte
förmlich und bei diesem
Horror von bevorstehender
Katastrophe, den er in sich
fühlte, spürte er seine
Knochen klappern bei der
Bewegung, als müßten sie
jeden Moment nachgeben und
sich in Staub auflösen.
Alles vibrierte, begleitet
von einem anhaltenden,
stumpfen und unheilvollen
Lärm, der den Eindruck
erweckte, als würde er
sobald nicht aufhören.
Terrorisiert, begann er
erneut, zu laufen, als ob
sein Körper beschlossen
hätte, eigenständig zu
handeln. Der tierische
Instinkt hatte eine Gefahr
wahrgenommen und sein
Unterbewußtsein hatte sich
für das Überleben
entschieden und den Befehl
“Rennen” gegeben.
Ein Schrei entwich ihm
plötzlich, als er keinen
Boden mehr unter den Füßen
fühlte.
Er glitt nach unten auf
einer bewegten und geneigten
Ebene - sehr schräg - gelang
ihm sogar noch,
festzustellen, und er
versucht vergeblich, Halt zu
finden zwischen der Erde und
den Steinen, die unter ihm
wegrutschten.
Plötzlich rollte er den
steileren Hang hinab und
stieß an die Wände von dem,
was er für einen Tunnel von
einigen Metern Breite hielt,
zwischen einem Aufschlag und
dem nächsten. Die Hände
brannten durch die Abreibung
an der Wand, die natürlich
rauh war und jetzt aus
hartem Gestein und bei jedem
Schlag, den sein Körper
erfuhr, entwich ihm ein
ersticktes Stöhnen. Er nahm
instinktiv die Fätalposition
an.
Er rollte weiter,
zusammengekauert und mit den
Händen zum Schutz auf dem
Kopf, wer weiß wie lange.
Die Zeit erschien unendlich
lang, wie auch dieser
unaufhörliche Abstieg.
- War er ohnmächtig geworden
? War er am Ende angekommen
? -
Eine einfache Anwort für
einen der sich
niedergestreckt sah,
unbeweglich und bei seiner
letzten Erinnerung noch
stürzte. Er fühlte sich in
Stücken und der Versuch,
aufzustehen, blieb ein
solcher, ein Versuch, noch
dazu sehr schmerzhaft. Die
Finger der rechten Hand
waren die ersten, die den
Impulsen eines Gehirns
folgten, daß entkoppelt
erschien, da es keine
Antworten des Körpers mehr
erhalten hatte bis zu diesem
Moment. Es kostete ihn
einiges, bis es ihm gelang,
sich hochzuziehen und auf
vier Beinen aufrechtzuhalten
und auch so, mit sich
drehendem Kopf, fühlte er
sich schaukelnd wie ein Boot
auf einem Fluß in der Gewalt
des Windes. - Auf dem Arno -
sagte er, feststellen, daß
es ihm gelang, zu sprechen
ohne Probleme und
gleichermaßen an sonderbare
Dinge zu denken.
- Du liebe Güte, meine Hose
ist in Fetzen. Bei dem, was
sie mich gekostet haben -
stieß er verstört aus, als
er die Beine betrachtete,
nachdem er sich mühsam
aufgerichtet hatte.
- Oh Cristus ! Ich sehe ja.
- wunderte er sich und
erwachte wieder zum Leben -
Man sieht... da ist Licht. -
Und schon mischte sich seine
latente Neugier in seine
gedanklichen Prozesse. Der
Ursprung der Lichtquelle war
wenig weiter vorne. Es
schienen ihm die gleichen
Aushöhlungen zu sein, durch
die er gelaufen war vor dem
Sturz unf mit der ackel in
der Hand, das gleiche
Flackern der Flamme.
Nun war das Licht zittriger,
tatsächlich wie eine Fackel
in Bewegung. - Ist da jemand
? - deutete er mit schrillem
Ton an und der Ruf hallte
wieder in einer
Unendlichkeit verzerrter
Echos.
Mit einem Mal, erschien aus
dem Schatten ein nicht
gewöhnliches Wesen, das ihn
vor Überraschung
aufschrecken ließ. Oder
besser gesagt es erschien
von der Seite, als ob da
vorne eine Tür sei statt
einer Kurve.
- Oh Gott ! Aber das ist…
der Teufel ! - In sofortiger
Metamorphose, eines
interessierten, absolut
Verängstigten, zogen sich
seine Schultern zurück und
er neigte sich fast bis zum
knieen, hoffend, er könne
sich so klein machen, daß er
nicht mehr gesehen würde. -
Es war also wahr. Es gab den
Durchgang und dieses war
Luzifer persönlich. - Er war
wie gelähmt vor Angst, mit
Gedanken von fürchterlichen
Toden und
schreckenerregenden ewigen
Strafen, die ihn nach jener
fatalen Begegnung erwarten
würden.
Das Wesen kam auf ihn zu und
trat langsam aus dem
Schatten. Die Fackel, die es
in der Hand hielt,
erleuchtete zunächst einen
nackten,dunklen, mächtigen
Oberkörper, der gehalten
wurde von dicken und
behaarten Ziegenbeinen, dann
ein langes, mageres Gesicht
mit einer Adlernase in der
Mitte und zwei Schnauzbärte
mit Spitzbart zur Umrahmung
eines umgänglichen und
perfekten Lächelns.
- Du bist ein Lebender,
stimmt’s ? - Es war eine
schöne Stimme, fest warm und
klangvoll.
Die Angst schnitt ihm die
Antwort ab. Zwischenzeitlich
stellte der Neuankömmling
die Fackel in eine Halterung
an der Felswand.
- Es ist schon einige Zeit
her, daß jemand kam, weißt
du ? Vor langer Zeit waren
wir es leid, Lebende im Weg
zu haben, es war ein
Durcheinander, das war nicht
mehr auszuhalten. Immer,
immer und immer, es ging zu
wie auf dem Markt. -
Er fühlte sich klein und von
den Worten überströmt.
- Dann haben sie mit einem
Mal aufgehört. Nichts mehr
für eine lange Zeit. Es
scheint, daß ein komischer
Typ, Jeso... Jesus, nicht so
sehr er als seine Kumpels
oder Bekannten, herumgezogen
ist oder sind und schlecht
über mich gesprochen haben.
Hier hat man ihn nicht
gesehen, aber du weißt ja
wie das ist, die Gerüchte
verbreiten sich, besonders
die schlechten. Gut, gut,
weißt du, ich fing an, mich
hier zu langweilen, immer
das Gleiche. Wie geht’s da
oben ? -
- Gut. - schaffte er, zu
antworten mit dünner Stimme,
die sich noch nicht erholt
hatte von all den Worten,
die aber glücklicherweise,
in so herzlichem und
freundlichem Ton gesagt, ihn
ein wenig beruhigten.
- Möchtest du die Hölle
besuchen ? Du bist deswegen
hier, oder... ? Komm nur, so
können wir uns ein wenig als
Freunde unterhalten. Ich
stelle dir ein paar Leute
vor. -
- Ja, gewiß. - Er wagte
nicht, ihm zu widersprechen.
Es war immerhin der Teufel,
murmelte er zu sich selbst,
auch wenn er auf den ersten
Blick sympathisch erschien
nach dem harten ersten
Zusammentreffen, ja sogar
sehr sympathisch.
- Denk nur, da ist ein Typ
bei uns, der sich den Kopf
anknabbern läßt und er
bezahlt einen, weil er es
nicht selber schafft. Ein
anderer rudert immer vor und
zurück mit seinem Bötchen,
weil er sagt, er müsse für
die olympischen Spiele
trainieren. Für mich ist das
nicht normal, aber
eigentlich könnten wir auch
einen Nutzen daraus ziehen
und ein wenig herumfahren
und dann... à propos, wie
heißt du ? Entschuldige,
wenn wir uns nicht sofort
bekannt gemacht haben, aber
endlich nach langer Zeit mit
jemandem reden zu können,
der nicht nur eine verdammte
tote Seele ist und
durchdreht, hat mich die
guten Manieren ein wenig
vergessen lassen. Ich bin
Luzifer. -
- Macht doch nichts, Luzifer
- er fühlte sich schon
wohler.
- Ach, nur eine Sache -
hakte er ein bevor er noch
etwas hinzufügen könnte -
bitte nenne mich nicht
Luzifer oder Teufel, nenn’
mich Virgil, das gefällt mir
besser. Hör nur, wie gut das
klingt... VIRGIL. -
- Ja, gewiß Luz... Virgil. -
Er sah ihn die Fackel aus
der Felshalterung nehmen.
Dann kam er näher und hakte
ihn unter, um auf den Weg zu
gehen, wo er erschienen war.
- Und dein Name ? -
- Stimmt ja, entschuldige.
Alighieri... Dante
Alighieri. -
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